Der letzte Bulle – Wer findet, der stirbt

Man muss nicht 20 Jahre im Koma gelegen haben, um das bescheuert zu finden.

Am vergangenen Montag lief eine Folge „der letzte Bulle“ auf Sat.1. Wie der Titel des Eintrags schon vermuten lässt, geht es ums Geocaching. Oder eine Abwandlung davon…

Obwohl ich normalerweise die Flimmerkiste ausgeschaltet lasse, habe ich mir diese Folge, auf die ich erst über die Geocachinggruppe Münster im Facebook aufmerksam geworden bin, angesehen. Es sollte schließlich um mein Lieblingshobby gehen! Wie ich erfahren habe, wurde diese Folge am 4. April 2011 erstmals ausgestrahlt.

Weil dieser Artikel sonst völlig den Rahmen sprengen würde, untersuche ich hier nicht die gesamte Handlung, sondern nur einige ausgewählte Teile, die im Bezug zu Geocaching stehen.
Die Folge hat die laufende Nummer 17 und ist die vierte der zweiten Staffel. Alle Zeitangaben (Min:Sek) beziehen sich auf den hier verfügbaren Stream (Sat.1 scheint in letzter Zeit immer öfter Probleme mit der Mediathek zu haben. Andere Versionen der Folge findet ihr einfach per Google).

Achtung, dieser Artikel enthält spoilernde Texte und Bilder.

Der letzte Bulle 00:08

Ein echter „Geosucher“

Sein piependes GPS weist ihn darauf hin, dass er an der richtigen Location angekommen ist und mit einem Handgriff findet er die unter einem Hasengrill versteckte Dose. Nach einem Schnitt blickt man in den Lauf einer Waffe und hört einen Schuss fallen. (00:00-00:30)

Dann beginnt das normale Intro der Serie – diese Abfolge erinnert mich ein Bisschen an Navy CIS, aber das ist jetzt ein anderes Thema – und nach ein Bisschen Geplänkel im Büro des Bullen ist im Auto folgender Dialog zwischen Mick und seinem Geschäftspartner Andreas zu hören:

„Schonmal was von Geocaching gehört?“
„Ne.“
„Die moderne Schnitzeljagd. Du suchst mit GPS-Handy so genannte Geocaches; das sind irgendwelche Behälter, irgendwo in der Landschaft versteckt.“
„Und was ist da drin?“
„Hm. Irgendwelche Kinkerlitzchen, die eben andere Geocacher versteckt haben.“
„Ihr schießt zig Satelliten ins All, entwickelt High-Tech-Geräte zur Positionsbestimmung, um irgendwelchen Killefitt zu suchen, den ihr am Ende auch noch selbst versteckt habt?“
„Also… ich persönlich nicht, aber so in etwa, ja.“
„Man muss nicht 20 Jahre im Koma gelegen haben, um das bescheuert zu finden.“ (ab 03:14)

Mit einem Quäntchen Selbstironie kann jeder Geocacher über solche Aussagen lachen. Ich befürchte, wir wirken wirklich so auf die Außenwelt…

„Moritz Weber, 26 Jahre alt, studiert an der Uni Essen Elektrotechnik. Ne Gruppe Schatzsucher hat ihn heute gefunden.“ (ab 03:53)

Der letzte Bulle 03:18

„Schatzsucher?!“

Jaja, die guten alten Schatzsucher. Ich wurde auch schon als Geosucher und oft genug als Geokätscher bezeichnet. Später fällt noch der Ausdruck „GPS-Chose“.

Da fällt mir ein: Wie willst du als Geocacher am liebsten genannt werden? GPS Stash Hunter klingt nun wirklich etwas dick aufgetragen. Kannst du darüber hinwegsehen, als Tupperdosensucher bezeichnet zu werden? Schreib gerne einen Kommentar dazu!

 

Der letzte Bulle 04:26

*knack* *knack*

„Alles was wir in dem Kaschbehälter gefunden haben, war dieser kleine Knackfrosch.“ *Knack, knack* (ab 04:20)

Der letzte Bulle 04:50

Wer keinen Zettel dabei hat…

Ohja. So ein Scheiß wird wirklich viel zu oft getauscht. Inzwischen spare ich mir die Tauscherei schon meistens; wirklich praktische Sachen findet man ja doch nicht und oft habe ich überhaupt keine Tauschgegenstände dabei.

Die Leiche hat Koordinaten auf dem Arm stehen, die ich einfach mal auf der untenstehenden Karte eingetragen habe:


Größere Kartenansicht

Der letzte Bulle 05:01

Ein „Smartphone“. Ganz schön smart!

Das als „Smartphone“ bezeichnete Gerät ist klar als ein Garmin Oregon 450 zu erkennen:

Hmm. Ob der Bulle den Unterschied zwischen einem GPS und einem Smartphone kennen sollte, weiß ich auch nicht. Ein erfahrener Cacher erkennt auf jeden Fall direkt: Zum Telefonieren eignet sich dieses Gerät nicht…

Wir haben mal die Koordinaten von Webers Arm eingegeben und die liegen in Queensland, Australien.

Ist das das erste Detail in der ganzen Folge, das wirklich richtig ist? Heureka!

Sehr interessant sieht dann das Hauptquartiert der Kettwiger Findlinge e.V. aus:

Der letzte Bulle 06:11

Das Quartier der Kettwiger Findlinge

Der letzte Bulle 06:17

Im Quartier der Kettwiger Findlinge

Natürlich ist diese Organisation fiktiv, sie scheint aber eine ganze Stange Geld zu haben, so wie das Vereinsheim aussieht. Wo die ganze Kohle wohl herkommt?…

„drei Jahren wusste kaum jemand, was Geocaching eigentlich ist. Wir beide haben den ersten echten Geocaching-Verein gegründet.“ (ab 06:37)

Ähm, jaaaa. Bis vor drei Jahren… Laut einer Statistik auf ingwer.ch, gab es im Jahr 2007 (die Folge wurde 2011 zuerst gesendet, wahrscheinlich 2010 gedreht) 27.007 Geocaches in Deutschland. Ein Cache kommt also auf knappe 3000 Einwohner. Das finde ich eigentlich gar nicht so wenig. Auch wenn heute die 2.000.000-Marke schon geknackt ist…

„Warum investiert jemand wie Sie in so’ne… Tupperparty?“
„Naja… Geocaching kann schon ein solides Business sein.“ (ab 07:35)

Der letzte Bulle 13:03

Teufelchen

Ohja. Geocaching als solides Business. Groundspeak beweist, wie es geht!

Durch den Bezug zu Australien geht es weiter zu der Affäre des Opfers, die eigentlich mit dem in den Stadtrat gewählten Günther Glaser verheiratet ist.
Bei einem Gespräch im Labor der Polizei kommt dann eine neue Spur ans Tageslicht. In der Speiseröhre des Opfers wurde ein Spielzeugteufel gefunden:

Später; die Witwe des Opfers wird interviewt:

„Er wollte über das Wochenende in den bayrischen Wald fahren. Neue Cachingrouten suchen für den Verein.“ (14:04)

Klar. Wenn ich in Essen in einem Verein bin, fahre ich „für den Verein“ 6 Stunden Richtung Bayern und suche dort neue Routen.
Ohne Wartungsplan kann man solche Dosen doch gar nicht bei Geocaching.com veröffentlichen…

Als Micks Partner die Spielzeugfigur aus Wut an die Wand schmeißt, aktiviert sich das Bluetooth-Modul. Er gibt dann die Koordinaten vom Arm des Opfers in eine natürlich direkt vorhandene App auf seinem Handy ein. Diese werden zu den Koordinaten umgewandelt, an denen auch der Mord stattgefunden hatte. Es wird klar, dass die (fast wie Chirps arbeitenden) Geräte fiktive Koordinaten zu echten Koordinaten umwandeln können, oder so. Den genauen Funktionsumfang der Geräte habe ich bis heute nicht verstanden.(ab 18:36)

„Mit diesen Figuren sind ganz neue Rätselvarianten möglich.“ (21:27)

Ja sicher… Ganz grundlegend neue Rätselvarianten! Die Garmin Chirps kenne ich aber schon länger.

Bei 24:10 fällt dann zuerst das wirkliche Thema der Folge: Kokainhandel… Vielleicht im deutschen Fernsehen nix neues, aber wenn dieses Thema jetzt in Verbindung mit Geocaching gebracht werden sollte…

Ab 26:49: Andreas zieht alleine in den Wald zu den Koordinaten. Obwohl sein Handy eigentlich schon älter ist und in Wirklichkeit den Startbildschirm zeigt, fängt der kleine Spielzeugteufel wild an zu blinken und piept. Er nähert sich offensichtlich den Koordinaten.
Obwohl die Polizei den Tatort ja ordentlich aufgeräumt haben sollte, hängt noch ein altes Polizei-Absperrband am Baum und – was viel beeindruckender ist – es liegt eine Dose aus, in der Micks Partner eine weiter Spielzeugfigur findet. Kurz darauf wird er niedergeschlagen.

Der letzte Bulle 26:51

Auf Schatzsuche

Bisher war ich der Meinung, dass die Kriminalpolizei einen Tatort wieder sauber hinterlässt und vor allen Dingen auch eine noch ausliegende Dose (schätzungsweise Größe small) finden sollte.
Herrlich dämlich von dem Täter wäre es aber auch, die Dose neu auszulegen, ohne die Koordinaten zu verändern. Hier war schließlich bis vor wenigen Tagen noch ein Tatort.

Völlig egal also, was sich der Skriptschreiber dabei gedacht hat; viel kann es nicht gewesen sein…

Ein paar Szenen später:

Mick bricht die Zentrale des Geocaching-Vereins auf und sucht nach den kleinen High-Tech-Spielzeugfiguren, die er „versteckt“ in einer Schublade findet. (ab 32:46)

Der letzte Bulle 33:30

Der Bulle bricht ein

Abgesehen davon, dass die Zentrale dieses ominösen Vereins sicherlich Nachts, am Wochenende und an Feiertagen nicht als Lost Place zu bezeichnen ist, kann man hier getrost von Hausfriedensbruch sprechen. Warum das niemanden stutzig macht, frage ich mich schon die ganze Zeit…

Schlussendlich völlig verwirrt hat mich dann die nächste Szene ab 35:15, in der vier Polizisten mit Engelchen, Teufelchen, Delfinen und anderen albernen, blinkenden Spielzeugfiguren durch den Wald rennen:

Der letzte Bulle 35:56

Wie echtes Geocaching

Der letzte Bulle 36:31

Das Drogenversteck

Vor Ort finden sie diverse Cachebehälter, darunter einen mit einem weißen Pulver und eine Parteilnadel vom Stadtrat Glaser, mit dem ja, über die Affäre seiner Frau, die Geschichte quasi angefangen hat. Auch dieses Versteck, wie auf dem Bild zu sehen, ist nicht optimal Muggelsicher. Aber wir haben ja bereits gemerkt, dass die Schauspielcacher nur wenig Kreativität in die Versteckwahl legen.

Nach ein Bisschen Blabla wird der Stadtrat dann verhaftet und gibt ein Statement ab, warum Geocaching jetzt sooo optimal für den Drogenhandel geeignet ist:

„Geocaching… Geocaching ist die ideale Plattform für den gehobenen Drogenhandel. Anonym, sicher und da offiziell jeder Zugriff auf die Caches hat, lässt sich auch kein Täter zurückverfolgen. Wenn die Polizei wirklich etwas finden sollte, dann kann es im Prinzip jeder gewesen sein. Dealen ohne Dealer, verstehen sie? Und das ganze unter dem Radar der Polizei. (…) Der Kunde braucht nur einmal in den Zirkel zu kommen und bekommt die Figuren und die Koordinaten per Mail. Die Caches dienen als Umschlagplatz. Erst das Geld, dann die Ware. Und hinter all dem steckt Peter Jordanis.

Peter Jordanis, das ist die dumme Sau mit dem vielen Geld, die am Anfang das Geocachingvereinshaus gesponsort hat. Ist die Herkunft der Kohle also doch geklärt! Und der hat also das Opfer umgebracht, weil er selber nicht das Patent auf die coolen Spielzeuge mit GPS-Empfang, Blink- und Hupfunktion und Bluetooth hat. Is klar!

Ich als Cacher würde mich glaube ich ganz fix bei der Polizei melden, wenn ich einen Cache mit komischem weißen Pulver finden würde. Dass Geocaching in Verbindung mit Drogen auch anders aussehen kann, haben im letzten Jahr zwei Cacher bewiesen…

Fazit

An sich habe ich eine verhältnismäßig schlecht recherchierte Folge mit dem Themenbezug „Geocaching“ gesehen. Schade finde ich, dass Geocaching ein Bisschen als Drogenumschlagsmöglichkeit #1 dargestellt wird. Wie hoch der wirkliche Drogendealeranteil unter den Geocachern ist, kann ich nicht sagen, schätzungsweise aber eher niedrig. Wie oben schon gesagt, würde ich verdächtige weiße Tütchen in einem Cache zur Polizei bringen und da laut Sat.1 das Opfer neben „seinem eigenen Schatz“ gefunden wird, ist auch der Besitzer gar nicht soooo schwer herauszufinden.
Um Schleichwerbung zu entgehen, wurde wohl das Garmin GPS immer wieder einfach als Smartphone bezeichnet. Hier hätte es der Begriff GPS aber auch getan.

Fehler, die mir beim genauen Gucken der Folge aufgefallen sind

  • Witzigerweise pulsiert die Halsschlagader des „seit drei Tagen Toten“ bei 04:42 noch klar erkennbar munter weiter
  • Obwohl man „Geocaching“ des öfteren richtig hören kann, schaffen es fast alle Charaktere das Wort jedes mal anders, aber immer falsch auszusprechen:
    • Kaschbehälter (04:20; Roland Meisner)
    • Geokätsching-Find (05:06; Andreas Kringge)
    • Kasch (41:17; Mick Brisgau)
  • Bei 27:14 hat Andreas sein Handy noch in der linken Hand. Im nächsten Schnitt verschwindet es plötzlich und taucht kurz darauf wieder auf.
  • Das beigeführte Handy von Andreas identifiziere ich als LG KP500 Cookie (oder Ähnliches), auf jeden Fall ohne GPS. Zumal es nur den Startbildschirm zeigt.

Alle in diesem Beitrag verwendeten Bilder sind Screenshots aus der am 22.5.2012 um 1:15 auf Sat.1 gelaufenen Folge aus der Serie „Der letzte Bulle“. Die Bildrechte liegen somit beim Sender Sat.1. Die Folge ist online hier verfügbar. Falls ein Anspruch besteht, dass die genutzten Bilder entfernt werden, kontaktieren sie mich bitte über das Kontaktformular oder die im Impressum angegebene Adresse.

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